Katharina Olivia Brand
Pressemitteilung
1.6.2004
INSPIRATION BACH
Ein Gesprächskonzert mit Katharina Olivia Brand (Klavier) und Prof. Dr. Dorothea Redepenning (Universität Heidelberg)
Bach-Liebhaber sollten sich den Freitag, 25. Juni 2004, 20 Uhr, vormerken. Die Heidelberger Pianistin Katharina Olivia Brand gibt an diesem Abend im musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Heidelberg einen Klavierabend, der sich ganz dem Schaffen und der Inspirationskraft Johann Sebastian Bachs widmet. Dorothea Redepenning, Professorin für Musikwissenschaft an der Universität Heidelberg, führt in den musikhistorischen Zusammenhang ein.
Die beiden Musikexpertinnen schildern in Wort und Klang ein Kapitel der Musikgeschichte, das auch Bach-Kennern noch Überraschungen offenhält. Heute ist die Musik Bachs allgegenwärtig - sowohl in traditionellen Konzerten als auch im Jazz und der Popmusik. Nur wenige wissen, dass Bach eine Zeitlang praktisch vergessen war. Im 19. Jahrhundert gelang es nur durch besondere Anstrengungen, die Musik Bachs dem Publikum wieder näher zu bringen. Seitdem haben sich viele berühmte Musiker vom Werk Bachs inspirieren lassen. Katharina Olivia Brand und Dorothea Redepenning stellen fünf Meisterwerke des 19. und 20. Jahrhunderts vor, die von der besonderen Ästhetik Bachs geprägt sind, darunter die berühmte Transkription der Chaconne von Busoni sowie Präludien und Fugen von Schostakowitsch.
Als Felix Mendelssohn Bartholdy im März 1829 die Matthäus-Passion erstmals wieder aufführte, war das ein europaweit beachtetes Ereignis und ein Wagnis gegen etablierte Traditionen, dessen Konsequenzen sich alsbald in der kompositorischen Praxis niederschlugen. Hatten sich zuvor einzelne Komponisten, etwa Wolfgang Amadeus Mozart, von Bach anregen lassen, so wird sein Oeuvre nun zu einer Inspirationsquelle, die in ganz unterschiedliche stilistische und ästhetische Richtungen ausstrahlt.
Mendelssohn selbst entdeckte dank Bach, daß kontrapunktische Techniken und liedhafte Klavierpoesie eine überaus glückliche Verbindung eingehen können; ähnlich sahen es seine Kollegen Robert Schumann und Franz Liszt, der sich durch Bachs "kontrapunktische Spezereien" zu kühnen chromatischen Klangverbindungen ermutigt sah. Im frühen 20. Jahrhundert beriefen sich Arnold Schönberg und sein Kreis ebenso auf Bach wie Igor Strawinsky und die französischen Neoklassizisten, wobei jede Gruppe dank Bach Argumente für die "Richtigkeit" der eigenen Position fand. Ferruccio Busoni, der sich keiner dieser Gruppen anschloß, hat zahlreiche Werke Bachs für den modernen Konzertflügel bearbeitet, darunter die große Chaconne, die in seiner Fassung immer noch eine Herausforderung für Pianisten darstellt. Im späteren 20. Jahrhundert entdeckte man Bach für den Jazz, für die Popmusik, auch als Hintergrundmusik in öffentlichen Räumen. Einen stillen, nachdenklichen Zugang fand Dmitri Schostakowitsch, als er zum Bach-Jahr 1950 - in einer Zeit finsterster sowjetischer Kulturpolitik - eine Sammlung von 24 Präludien und Fugen niederschrieb.
Das Gesprächskonzert führt durch zwei Jahrhunderte; Katharina Olivia Brand wird ausgewählte Werke auf den Instrumenten des Musikwissenschaftlichen Seminars präsentieren; Dorothea Redepenning wird in den musikhistorischen Zusammenhang einführen.
INSPIRATION BACH
Gesprächskonzert mit Katharina Olivia Brand und Prof. Dr.
Dorothea Redepenning
Freitag, 25. Juni 2004, um 20 Uhr
Musikwissenschaftliches
Seminar
der Universität Heidelberg, Augustinergasse
Eintritt frei
Katharina Olivia Brand
spielt auf den Instrumenten des Musikwissenschaftlichen
Seminars,
Cembalo, Hammerflügel und moderner Flügel
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Präludium und Fuge e-Moll
op.35,1
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Adagio h-Moll KV 540
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Präludium und Fuge a-Moll
WTK II BWV 889
---------------------
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Dreistimmige Invention
f-Moll BWV 795
Franz Liszt (1811-1886)
Variationen über den basso
continuo der Kantate
"Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen"
Dimitri Schostakowitsch (1906-1975)
Präludium und Fuge A-Dur
op. 87, 7
Ferruccio Busoni (1866-1924)
Klaviertranskription der Chaconne d-Moll
Zur Person:
Katharina Olivia Brand studierte
Klavier und Musikwissenschaft in Karlsruhe und Los Angeles, wo
sie ihr Studium 2001 mit dem Doctor of Musical Arts abschloss.
Seither freie Pianistin, Pädagogin und Musikwissenschaftlerin.
Seit 2003 Lehrbeauftragte an der Universität Heidelberg. Sie
erhielt für ihre künstlerische und wissenschaftliche Arbeit
mehrfach Stipendien und Auszeichnungen, unter anderem von der
Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk und der Liberace
Foundation.
Bild
Prof. Dr. Dorothea Redepenning studierte Musik mit Hauptfach Querflöte sowie Musikwissenschaft, Germanistik und Romanistik in Hamburg, wo sie 1984 mit einer Arbeit über das Spätwerk Franz Liszts promovierte. 1993 Habilitation über die Geschichte der russischen Musik. Seit 1997 ordentliche Professorin an der Universität Heidelberg. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen die Musik Russlands und Osteuropas, die Musik des 19. und 20. Jahrhunderts sowie Rezeptionsfragen.
Kontakt: info@kob-online.de
© Katharina Olivia Brand, Juni 2004